Interview     

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… mit Stefan Saffer

Leipzig

22.03.2010




Stefan Saffer, 2010
 
Text 1
Du weiltest unlängst zu mehreren Konzerten in den USA – sicher ein markantes Erlebnis. Wie kamen die Termine zustande? Wo bist Du genau aufgetreten? Welchen Eindruck hattest Du von den Clubs / locations?


Ich habe ja familiäre Beziehungen nach New Jersey, die Auftritte kamen zum einen deshalb über meine Cousine Linda, aber auch über einen langjährigen Fan, James Colter aus Philadelphia, zustande, der mich schon lange mal "rüber" locken wollte. Es war eigentlich schon für vergangenes Jahr geplant, hat aber jetzt erst geklappt!
Dazu kam, dass seit Erscheinen des letzten Albums auch viele Kaufanfragen dafür aus den USA kamen, so dass es also praktisch schon wichtig war, sich drüben mal zu zeigen.
Die Gigs in Philadelphia fanden im Rahmen eines "Roots-Festivals" statt, bei dem auch sehr viele US-Bands spielten. Was mich wieder einmal schwer beeindruckt hat, wie viel Professionalität und Können diese Musiker haben, auch wenn sie nur für einen Appel und ein Ei spielen. Der Gig im Harper´s Inn, einem Pub in Morrisville, Pennsylvania, war insofern klasse, dass man halt mal vor Leuten spielt, in deren Muttersprache man singt, da ist schon interessant, wie die Leute da reagieren. Und die Reaktionen, gerade auf mein eigenes Material, waren so ermutigend, das hat mich regelrecht gepusht, so dass ich auch drüben sehr viel neue Songs geschrieben habe, und zwar so viel, dass es dieses Jahr noch ein neues Album geben wird!

Die Locations sind nicht wesentlich anders, als unsere hier auch, allerdings sind wesentlich mehr Leute bei Live-Konzerten und gehen auch richtig mit!



2
Bist Du auf Musiker getroffen, welche Dich beeindruckt haben?


Es haben mich ja schon viele Leute vorher gefragt, ob ich den Boss treffen werde, haha! Ich weiß zwar, wo er wohnt, ca. 30 km von meiner Tante entfernt. Aber zum einen bin ich nicht die Art von Fan, die stundenlang vor irgendwelchen Promi-Türen kampiert und zum anderen war das ja nicht das Ziel der Reise. Von Bands wie Rising Flood oder Campground, mit denen ich in Philly aufgetreten bin, hat hier wahrscheinlich noch nie jemand etwas gehört, aber wie gesagt, wie die spielen und auftreten, das ist eine Klasse für sich, von der viele deutsche Musiker noch etwas lernen können.

Es geht nicht um Virtuosität und technisches Können – das beherrschen die Deutschen ja meist auf dem EffEff. Es geht um das, was man "Entertainment" nennt. Auf der Bühne zu stehen und mit den Leuten über die Dauer eines Konzertes etwas Emotionales und Spirituelles aufzubauen – das ist eine ganz große Kunst. Und dann nimmt das Publikum auch etwas mit, was Dich auf sehr lange Zeit mit ihnen verbindet. Mit US-Musikern arbeite ich ja schon seit einiger Zeit zusammen, allerdings hier in Deutschland, wie z.B. meine kongeniale Duo-Partnerin Laura Bean aus Kentucky, die aber in Berlin lebt und arbeitet.



3
Im Spätsommer vergangenen Jahres erschien Dein Klasse-Folk-Album "Nothing In Our Bellies But A Fire Down Below". Wie entstand die Musik, wer schrieb die Texte? Wo entstand das Ganze? Wie war die Zusammenarbeit mit Ulrich Mücke?


Danke für die Blumen, Hans-Peter! Dieses Album war ja geplant, um meine neue Band, The Jukes, der Öffentlichkeit vorzustellen. Deswegen sind auch nur 4 neue Saffer-Songs drauf, der Rest sind alte Standards und Traditionals der American Folk Music, die wir neu arrangiert und eingespielt haben. Bei den eigenen Songs sind wie immer Text und Musik von mir!

Das Album haben wir im bandeigenen Studio in Naunhof eingespielt und die Zusammenarbeit mit Ulli war traumhaft. Er spielt ja auch bei den Jukes den Bass und war übrigens derjenige, der dieses ganze Projekt mit eingefädelt hat, als ich Ende 2007 nach einer neuen Backing-Band gesucht habe!



4
Nenne bitte die Musiker, die an den Aufnahmen beteiligt waren.


Zum einen also die Band, The Jukes:
Kerstin Braun – Drums, Percussion, Mandoline, Vocals
Angela Hofmann – Vocals
Jan Oelmann – Fiddle
Hansi Hölzel – Keyboards, Akkordeon, Vocals
Volker Werner – Guitar, Mandoline
Ulli Mücke – Upright bass, E-Bass, Vocals

Als Gäste:
Nico Schneider – Banjo
Kevin Schmidt – Dobro
Ebs Dobschall – Drums



5
Kannst Du während des Schaffensprozesses rasch Entscheidungen fällen, was beispielsweise die Arbeit an verschiedenen Text-Varianten, die Arrangements und dergleichen betrifft oder tust Du Dich damit schwer?


Oho, da sprichst Du einen besonderen Punkt an! Ich bin jemand, der sehr unmittelbar arbeitet, was die Band oft an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt, haha. Bei mir gibt es z.B. keine festen Set-Listen für Live-Shows. Ich stell die jedes Mal erst kurz vor dem Konzert zusammen. Früher habe ich bisweilen auch während der Live-Shows das Programm spontan über den Haufen geworfen, ich finde, das hält ein bisschen die Routine von den Live-Konzerten fern. Wenn ich eines nicht mag, sind das Bands oder Musiker, die Abend für Abend dasselbe Programm in derselben Reihenfolge runternudeln – und das auch noch seit Jahren.

So denn auch bei der Arbeit im Studio. Bei manchen Songs sind die letzten Textzeilen noch geschrieben bzw. geändert worden, Minuten, bevor ich dann eingesungen habe! Ich mag diese Arbeitsweise, das hält die Arbeit frisch, man merkt, das dass eigene Material lebendig, wandelbar ist. So arbeite ich übrigens generell mit meinen Songs. Die aufgenommene Version ist nie die definitive, in den Songs stecken danach noch einige Jahre Bühne, da verändern sie sich, wachsen, wie Kinder. Ich habe z.B. Songs als krachige Rocker geschrieben, die über die Jahre live zu sehr fragilen Balladen geworden sind. Ich mag das, wenn alles im Fluss ist, sich ständig ändert, ohne dass man dabei seine Identität verliert.

6
Du stammst, obwohl schon lange in Leipzig aktiv, aus den sog. "alten" Bundesländern, hast mithin den Blick von außen aufs Geschehen. Wie ist Dein Eindruck von der momentanen Szene vor Ort, was musikalische Qualität, Clubs/Veranstalter, Kollegialität angeht?


Puh – schwere Frage, was mich und meine Band angeht, zählt – wie es so schön heißt – der Prophet im eigenen Lande anscheinend nichts. Während wir mittlerweile von Berlin bis nach Bayern runter schöne Gigs mit vollen Häusern und tollem Publikum spielen, super Besprechungen in großen Magazinen vom Rolling Stone bis zum Folker, ja, eben auch Anfragen aus den USA etc. haben – nimmt hier irgend wie keiner von uns Notiz. Vielleicht treffen wir ja einfach auch nicht den musikalischen Nerv der Stadt, wobei mir dann einer mal erklären müsste, wie der sich anhört!

Zu den Locations und Veranstaltern: Es ist meiner Meinung nach schwer geworden in Leipzig für Bands, die keine Cover-Musik spielen oder eine größere Besetzung als 2 Leute haben. In den Clubs und Kneipen, in denen ich öfters spiele, gibt es freilich nichts zu mäkeln, Veranstalter sind nett und fair!

Zu anderen Bands und Musikern: In der Folk-Szene, in der ich mich seit einigen Jahren tummele, gibt es eine große Kameradschaft, man hilft sich untereinander bei Aufnahmen oder Live-Shows, es gibt einige tolle Sessions, wie z.B. den Leipziger Session-Stammtisch immer jeden dritten Montag im Monat in der Gohliser Wirtschaft.

7
Wo wirst Du demnächst spielen und wer begleitet Dich dabei?


Da steht für den Fühsommer einiges an: In der letzten März-Woche gibt es eine kleine 3-Tages-Tour mit Shows in Berlin und Leipzig (mit den Jukes) sowie Solo-Auftritten in Bamberg. April ist dann eine Live-Pause, da ich eine Zahnoperation habe. Ab Mai dann mit den Jukes u.a. in Pirna, Böckwitz und Hainichen. Ab Juni bin ich dann 10 Tage mit Laura Bean auf Deutschland-Tour, bevor dann die Aufnahmen fürs neue Album starten werden. Ab dem Herbst ist dann eine Solo-Deutschland-Tour zum neuen Album geplant. Alle exakten Daten für die Live-Shows findet Ihr natürlich auf www.sachsenrock-info.de

8
Was sind Deine längerfristigen Vorhaben?


Schwerpunkt – neben den Live-Shows – wird dieses Jahr definitiv mein neues Solo-Album "From rebellion to redemption and then back" sein. Da passieren gerade sehr spannende Dinge. Ein bekannter deutscher Musiker und Produzent will das Ding vielleicht produzieren (Namen gibt es aber erst, wenn das eingetütet ist), es werden darauf viele Gastmusiker sein, nicht nur die Band und es wird in Richtung der "American Recordings" von Johnny Cash gehen. Also, die Songs im Vordergrund, sparsame und atmosphärische Produktion. Damit starte ich im Sommer und freue mich sehr darauf!

Anschließend die geplante Tour zum Album, dann ist evtl. eine CD-Produktion für ein Duo-Album mit Laura Bean in Planung. Let´s see, denn erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt!



Und achja, weil viele Leute danach fragen: Ich werde auch die E-Gitarre wieder in die Hand nehmen, wenn die Zeit fürs Rocken wieder gekommen ist.

Also, viel zu tun, es gibt eigentlich nur einen Grund, nicht zu arbeiten: Wenn man keine Songs hat. Ich habe mehr als genug davon, also habe ich zu tun!

alle Fotos & Abbildungen (c) Stefan Saffer
Links

Rezension der aktuellen CD in "Home of Rock"

www.myspace.com/stefansaffer